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MMcD Portwood Finish Tasting

Die Firma Murray MacDavid hat sich im Jahre 1993 mit Bourbon Fässern aus dem Hause Mortlach eingedeckt. Schlecht waren die Fässer nicht. Im Jahre 2004 brachten sie mit den ersten Finishs ein 10 jähriges Fass nachgereift im Port Pipe heraus. Es hat sich gut verkauft, deshalb wurde 2006 ein 13 jähriger mit 3600 Flaschen aufgelegt, der auch wohl recht gut lief und deshalb wurde im Jahr 2008 ein 14 jähriges, der aber schon 2007 vom Fass genommen wurde, abgefüllt.

Dazwischen gab es noch einen 1993 / 2005 also 12 y, der mit 46,0% auch Port Wood Finished wurde. Dieser ist mir bisher leider nicht zugänglich geworden.

Es bot sich an mal die drei Tropfen gegeneinander zu tasten :

1993/2004, 10 y, 46 % , Cask MM0411

1993/2006, 13 y, 46 %

1993/2007, 14 y, 46 %

Im Folgenden nur noch 10y / 13 y / 14 y genannt.


Farbe/Verh. I. Glas  

10 y : Wenige flache Legs. Die Farbe ist ein schönes Gold mit leichten Dunkelrotnuancen.

13 y : Viele fette Beinchen die sich hochviskos herab schlängeln. Ein kräftiger Bernstein im Glas.

14 y : Die fetten Tropfen wollen kaum ablaufen. Dunkler kräftiger Bernstein bestimmt die Farbe.

Nase

10 y : Die Geruchseindrücke sind zunächst recht zurückhaltend. Das Bourbon Fass verrät sich durch deutliche Vanille und Kokostöne. Deutlicher als der Port ist eine leichte Balsamico-Essig Note. Der Alkohol ist wundervoll rund eingebunden. Neben der frischen Eiche ist eine fruchtige Salzgrasnote sehr faszinierend.

Mit Wasser wird die Nase voller, süßer nach Honig und mehr Holz und Wein. Die reifen Früchte kommen schöner hervor.

13 y : Auch nach 13 Jahren ist die Nase durch die 46 % noch eher zurückhaltend. Es kommt jedoch mehr alter Port  zu deutlichen trockenen Eindrücken. Pflaumen und moderndes Buchenholz ergänzen die Bilder in meiner grauen Masse. Es ist kaum noch Vanille da. Die kommt erst raus, wenn er länger im Glas steht. Jetzt ist er auch deutlich fetter. Mit H²O wird er erstaunlicherweise trockener und ist immer noch zurückhaltend. Spare mir das Wasser bei dem fürs Spülen.

14 y :  Oha, das ist jetzt mal ne Steigerung. Recht volle und direkte Nase. Der Riechkolben freut sich über eine unnatürliche aber nicht zu heftige Süße. Rote Früchte und nur wenig Vanille aber dafür eine gute Portion Kern-Eiche. Länger im Glas wird er noch fruchtiger. Gibt man ihm Wasser entwickelt sich ganz wenig Balsamico und Kräuter – Thymian und die süßen Holzspäne erinnern an französische Wälder im Sommer.

Je oller - je doller !

Geschmack 

10 y : Typisch Mortlach ist er auch schon nach 10 Jahren und trotz 46 % mit einem guten Körper ausestattet. Er prickelt sogar etwas am Gaumen. Wenn mir ein Koch diesen Vanillequark mit roter Soße gemixt mit Hühnersuppe und Pflaumen  mit leichter (Barcadi-)Rumnote, servieren wurde, ginge der Gang zurück in die Küche. Als Whisky perfektioniert die leichte Eiche am Gaumensegel den guten Whisky. Wasser verträgt er leider nicht so gut, er wird flach, hat aber noch Noten von Orange und weißer Schokolade.

13 y : Die Süße Geschmeidigkeit an der Zungenspitze ergießt sich fast mich erregender Freude und hinterläßt im ersten Eindruck Creme Karamell. Am Gaumen ankommend entwickeln sich Rumpflaumen. Komplex, trocken und Buchenholz auf der Zunge. Angenehm,  nicht ganz so fett aber angenehm und lecker. Auch hier lass ich das Wasser lieber weg.

14 y : Der erste kleine Schluck, auf den der Whisky gewartet hat, bevor er von der Entwicklung in Richtung Entsorgung geht, ist etwas trocken und zungenflüchtend. Gar nicht typisch für diese Trinkstärke. Große Schlucke müssen her. Kaum Holz aber vorhanden. Vom Bourbon praktisch nix mehr da. Kräftig statt dessen sind Rumrosinen und überreife Erdbeeren. Etwas betäubend auf der Zunge und eine leichte Salzigkeit verratend. Wasser kann er ganz gut ab. Er wird nicht komplexer aber ist angenehm.

Die 13 ist doch eine Glückszahl am Gaumen.

Abgang  

10 y : Mundwässernd ist er und hinterlässt Eindrücke von Johannisbeeren. Recht Lang. Erstaunlich für 46 %. Eindimensional aber stetig.

13 y :  Dunkle Eindrücke und reife Mangos. Mittelland bis lang. Keine Romane erzählend aber auch nicht langweilig.

14 y :  Mittellang kämpft er sich bis in die Nase vor. Erst frisch, dann kommen die Rumpflaumen auf und er wird im Mund älter und älter. Den 14 jährigen Pubertierenden nimmt man ihm nicht ab. Er endet in einer staubigen aber mundwässernden Bibliothek.

Auch wenn der 10’er länger ist würde ich den 14 vorziehen.

Fazit :

Es ist eines der besten Finish Unternehmungen die man tasten kann. Der 10 Jährige ist ein sehr guter All-Day Drink. Die 13 Jahre haben dem Gaumen einen fetten guten Eindruck beschert, der durch einen leckeren Abgang gekrönt wird. Die Nase hätte in höherer Alkoholkonzentration sicher mehr geboten. Gewinner over all ist der 14’er. Komplexe tolle Nase – Guter Gaumen und langer, interessanter, wenn auch nicht der längste Abgang.

Alle drei tolle Tropfen. Wenn auch wegen verzweifelnd suchender Fleischigkeit suchend nicht ganz typischer Mortlachs, die aber die Destillenzüge der malzigen vollen Körperfülle wiederspiegeln. Allen Dreien kann man bei den Preisen eine Kaufempfehlung aussprechen.

10 y :  gut

13 y :  sehr gut

14 y :  sehr gut  - Heute ein König ! – Kaufempfehlung

M. Mattonet
m.mattonet@arcor.de