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SOLAR Versuch

Auswertung eines kleinen Versuchs.

Auf der Aquavitae habe ich an Besucher der Seite Mortlach.de und an Freunde und Bekannte aus der regen Whiskyszene einige Samples dieser Abfüllung verschenkt.

Ein Mortlach spezialy selected for Solar (Eine Akademikervereinigung aus St. Andrews und ges. Schottland) by Luvians Bottle Shop in Cupar, Fife, Scotland, 12 y alt und 43 %.

Als Gegenleistung wollte ich Tastingnotes.

Sinn und Zweck war, bei ein und dem gleichen Whisky Einschätzungen aus unterschiedlichen Nasen zu bekommen. Mal sehen ob alle weit auseinander lagen oder ob die statistische Streuung sehr gering war.

Es wurden übrigens 20 mal 2 cl Proben verteilt und es kamen leider nur 6 Tastingnotes zurück.

Jeweils habe ich ein paar typische Zitate vorangestellt, die ich teilweise gekürzt habe

Farbe/Verh.i.Gl.:

„Rotgold“ / „Sehr dunkel, schon fast rotbraun“ / „Die Farbe erinnerte mich an Apricot-Brandy mit einem Stich ins rötliche.“

Belassen wir es vielleicht bei Rotgold

„Viele Beine die mittelschnell ablaufen“ / „recht leichter Körper mit einer gewissen Öligkeit“

Auf den Punkt gebracht, fanden ihn alle etwa mittelviskos

Da würde ich doch glatt von Einigkeit zwischen den Tastern reden !

Nase :

„deutlicher Sherryeinfluss, / „fruchtig süßlicher Sherry dominiert“ / „Vanille und wenig Sherry/Port/Madeira“ / „kurz nach Sherry dann nach Popcorn

Die Sherrykomponennte ist von allen mehr oder weniger intensiv angesprochen worden. Hier herrscht noch Einigkeit.

„Fruchtkompott aus Äpfeln und Birnen, später aber auch deutliche Kirschnoten“ / „Zarte Sauerkirschen oder sind es doch nur die Kirschkerne hinein.“

Zwei Taster entdeckten deutliche Fruchtaromen. Beide redeten von Kirsche!

„Kräuterbonbon, hintergründig Vanille und Kekse“ /  „Recht würzig.“

Auch diese Richtung wurde von einigen ergänzt, aber nie als vordergründig angegeben.

„… wirkt ölig, fett buttrig“ / „karamellisierten Walnüssen“ / „etwas Röstaromen“

Mit viel Phantasie kann man auch diese Komponenten zusammenfassen.

Bei den folgenden Nennungen handelt es sich jedoch um Einzelnennungen die zwar alle eher als Sekundär Nase genannt wurden, aber doch recht unterschiedlich ausfallen.

„Hauch Parfüm, der schnell durch eine kräftige süße Note ersetzt wird.“ / sehr dezente Schwefeltöne.“ „blumig, dann aber holziges Finish (Rotwein?)“ / „Duft nach Mokkabohnen kommt auf.“

Insgesamt möchte ich doch sagen das alle Tastingnotes in der „Nasenwertung“ die gleiche Richtung gingen.

 

Kommen wir zur Wahrheit auf dem Platz …
Geschmack :

„Wieder fett Sherry mit deutlichem Schwefel“ / „Sherry dominiert auch hier“/ „öligen, trokenen Wein (eher als an süßen Sherry)“

Ganz einträchtig finden alle mehr oder weniger Sherry

„Röstaromen, verbrannte Kräuter, Wachs, Holz, herbe Fruchtigkeit.“/ „sanft, würzig, leicht herb,“ „zurückhaltende Holznote“

Herbe Würzigkeit und ein wenig Holz finden auch fast alle.

„explosionsartig die Süße“/ „Wieder huscht die Kirsche kurz rein, sagt hallo und verschwindet wieder.“/ „karamellisierte Walnuss wieder,“/ „Noten nach Mokkakaffee und bitterem Holz.“

Diese Nennungen waren ziemliche Alleinstellungsmerkmale für den Taster. Insgesamt war auch der geschmack sehr einträchtig.

Abgang :

„Ähnlich dem Geschmack“ / „süsser würziger Sherry“ / „Die Süße macht sich noch mal richtig breit, Nuß und bittere Töne wippen kurz rein.“ / „herbe, leicht bittere Geschmack“ / „Apfel“ / „leicht Rachenwärmend“

Paßt, und nun noch von der Einschätzung her die Übersicht :

„Finish ist immer noch da wenn der Malt längst weg ist“, „Das Finish bleibt lange“, „Recht lang“, „mittel bis lang“, „mittel“,  „Nicht sehr lang, es verlangt, daß man nachkippt“, „Recht kurzes Vergnügen.“

Was war das den nu ? Praktisch keine Übereinstimmung. Jeder empfindet die Länge unterschiedlich.

Fazit der Taster :

„Sehr schön zu nosen, lecker!“ / „Ein wirklich leckerer Malt mit einer wirklich tollen Nase die der Geschmack manchmal nicht ganz halten kann.“ / „Ein sauberer Sherrywhisky“ / „Nicht besonders Komplex aber dafür umso leckerer als Stoff zum Wegschlabbern“ / „Der Whisky hat Spaß gemacht, ohne anstrengend zu sein.“

Wie ich erwartet hatte, von allen als angenehmer Trinkwhisky eingestuft.

„Würde ich so, je nach Preis, kaufen.“ / „Ich würde ihn mir kaufen.“ / „Für die 43% wird einem schon sehr viel geboten.“

Fazit des kleinen Versuchs :

Unerwartet sind die 6 Tastingnotes in sehr vielen Fällen sehr ähnlich.

Das ganze erlebt man ja auch bei Onlinetastings. Auch dort findet man Notes, die sich sehr ähnlich sind. Hängt dies mit der gegenseitigen Einflussnahme zusammen ? Tatsache ist schon, wenn einer Online oder in einem gemeinsamen Tasting, von „Banane“ spricht, finden viele anderen auch „Bananen“.  Mein Ansatz war, dies bei einem Blindtasting und externer Auswertung auszuschließen.

Umso erstaunlicher, das die oben genannten Notes in vielen Fällen sehr gleichförmig ausgefallen sind.

Dies gilt jedenfalls für Nase und Geschmack und Gesamteindruck. Was überhaupt nicht gepasst hat war der Abgang und dort insbesondere der Eindruck der Länge des Abgangs.

Wird also vielleicht der Geschmack von Ort, Zeit, Person und Umstand viel weniger beeinflusst als Oft behauptet und ist am Ende nur der Abgang davon stark von diesen externen Einflussfaktoren gelenkt ?

 

M. Mattonet
m.mattonet@arcor.de