Jeweils habe ich ein paar typische
Zitate vorangestellt, die ich teilweise gekürzt habe
Farbe/Verh.i.Gl.:
„Rotgold“ / „Sehr dunkel, schon fast rotbraun“ / „Die
Farbe erinnerte mich an Apricot-Brandy mit einem Stich ins rötliche.“
Belassen wir es vielleicht bei
Rotgold
„Viele Beine die mittelschnell ablaufen“ / „recht
leichter Körper mit einer gewissen Öligkeit“
Auf den Punkt gebracht, fanden ihn
alle etwa mittelviskos
Da würde ich doch glatt von
Einigkeit zwischen den Tastern reden !
Nase :
„deutlicher Sherryeinfluss, / „fruchtig süßlicher
Sherry dominiert“ / „Vanille und wenig Sherry/Port/Madeira“ / „kurz nach Sherry
dann nach Popcorn
Die Sherrykomponennte ist von
allen mehr oder weniger intensiv angesprochen worden. Hier herrscht noch
Einigkeit.
„Fruchtkompott aus Äpfeln und Birnen, später aber auch
deutliche Kirschnoten“ / „Zarte Sauerkirschen oder sind es doch nur die
Kirschkerne hinein.“
Zwei Taster entdeckten deutliche
Fruchtaromen. Beide redeten von Kirsche!
„Kräuterbonbon, hintergründig Vanille und Kekse“ / „Recht würzig.“
Auch diese Richtung wurde von einigen
ergänzt, aber nie als vordergründig angegeben.
„… wirkt ölig, fett buttrig“ / „karamellisierten
Walnüssen“ / „etwas Röstaromen“
Mit viel Phantasie kann man auch
diese Komponenten zusammenfassen.
Bei den folgenden Nennungen
handelt es sich jedoch um Einzelnennungen die zwar alle eher als Sekundär Nase
genannt wurden, aber doch recht unterschiedlich ausfallen.
„Hauch Parfüm, der schnell durch eine kräftige süße
Note ersetzt wird.“ / sehr dezente Schwefeltöne.“ „blumig, dann aber holziges
Finish (Rotwein?)“ / „Duft nach Mokkabohnen kommt auf.“
Insgesamt möchte ich doch sagen
das alle Tastingnotes in der „Nasenwertung“ die gleiche Richtung gingen.
Kommen wir zur Wahrheit auf dem
Platz …
Geschmack :
„Wieder fett Sherry mit deutlichem Schwefel“ / „Sherry
dominiert auch hier“/ „öligen, trokenen Wein (eher als an süßen Sherry)“
Ganz einträchtig finden alle mehr
oder weniger Sherry
„Röstaromen, verbrannte Kräuter, Wachs, Holz, herbe
Fruchtigkeit.“/ „sanft, würzig, leicht herb,“ „zurückhaltende Holznote“
Herbe Würzigkeit und ein wenig
Holz finden auch fast alle.
„explosionsartig die Süße“/ „Wieder huscht die Kirsche
kurz rein, sagt hallo und verschwindet wieder.“/ „karamellisierte Walnuss
wieder,“/ „Noten nach Mokkakaffee und bitterem Holz.“
Diese Nennungen waren ziemliche
Alleinstellungsmerkmale für den Taster. Insgesamt war auch der geschmack sehr einträchtig.
Abgang :
„Ähnlich dem Geschmack“ / „süsser
würziger Sherry“ / „Die Süße macht sich noch mal richtig breit, Nuß und bittere
Töne wippen kurz rein.“ / „herbe, leicht bittere Geschmack“ / „Apfel“ / „leicht
Rachenwärmend“
Paßt, und nun noch von der
Einschätzung her die Übersicht :
„Finish ist immer noch da wenn der Malt längst weg
ist“, „Das Finish bleibt lange“, „Recht lang“, „mittel bis lang“, „mittel“, „Nicht sehr lang, es verlangt, daß man
nachkippt“, „Recht kurzes Vergnügen.“
Was war das den nu ? Praktisch
keine Übereinstimmung. Jeder empfindet die Länge unterschiedlich.
Fazit der Taster :
„Sehr schön zu nosen, lecker!“ / „Ein wirklich
leckerer Malt mit einer wirklich tollen Nase die der Geschmack manchmal nicht
ganz halten kann.“ / „Ein sauberer Sherrywhisky“ / „Nicht besonders Komplex
aber dafür umso leckerer als Stoff zum Wegschlabbern“ / „Der Whisky hat Spaß
gemacht, ohne anstrengend zu sein.“
Wie ich erwartet hatte, von allen
als angenehmer Trinkwhisky eingestuft.
„Würde ich so, je nach Preis, kaufen.“ / „Ich würde
ihn mir kaufen.“ / „Für die 43% wird einem schon sehr viel geboten.“
Fazit des kleinen Versuchs :
Unerwartet sind die 6 Tastingnotes
in sehr vielen Fällen sehr ähnlich.
Das ganze erlebt man ja auch bei
Onlinetastings. Auch dort findet man Notes, die sich sehr ähnlich sind. Hängt
dies mit der gegenseitigen Einflussnahme zusammen ? Tatsache ist schon, wenn
einer Online oder in einem gemeinsamen Tasting, von „Banane“ spricht, finden
viele anderen auch „Bananen“. Mein
Ansatz war, dies bei einem Blindtasting und externer Auswertung auszuschließen.
Umso erstaunlicher, das die oben
genannten Notes in vielen Fällen sehr gleichförmig ausgefallen sind.
Dies gilt jedenfalls für Nase und
Geschmack und Gesamteindruck. Was überhaupt nicht gepasst hat war der Abgang
und dort insbesondere der Eindruck der Länge des Abgangs.
Wird also vielleicht der Geschmack
von Ort, Zeit, Person und Umstand viel weniger beeinflusst als Oft behauptet
und ist am Ende nur der Abgang davon stark von diesen externen Einflussfaktoren
gelenkt ?